Team Bargehr/Mähr: Schade – Olympiaticket verpasst

© Dominik Matesa

David und Lukas hätten es auf jeden Fall anders verdient. Sie haben eine bittere – vielleicht sogar die schwerste Woche ihrer Segler-Karriere hinter sich. Die EM der 470er Klasse in Portugal war ihre letzte Chance sich das Ticket zur Teilnahme an den, Corona bedingt verschobenen, Olympischen Spielen in Tokio im Sommer dieses Jahres zu sichern.

Nach monatelangem und in den vergangenen Wochen besonders intensivem Training fühlten sich die beiden topfit für die anstehende Herausforderung. Gleichzeitig war aber auch klar, dass ein riesengroßer Druck auf den beiden lastete.

Gleich zu Beginn, bei der ersten Wettfahrt kam es zu einem Frühstart. Damit war die Ausgangslage der beiden für die weiteren EM-Wettfahrten psychisch und physisch schwer belastet. Trotzdem ließen sich David und Lukas nicht unterkriegen und kämpften mit vollstem Einsatz weiter. Die Wind- und Segelbedingungen waren denkbar schlecht, die Konkurrenz kompakt, also durfte es fortan keinen, aber auch gar keinen Fehler mehr geben. Und das Glück musste auch noch passen. Im weiteren Verlauf gab es einen kurzen Lichtblick, mit einem hervorragenden 5. Rang. In der Folge verließ sie das Glück und vielleicht auch, angesichts des immensen Drucks, die notwendige Kraft und Konzentration. Am Ende war es der 20. Rang in der Gesamtwertung den sie akzeptieren mussten. Für die beiden nach eineinhalb Jahrzehnten höchst erfolgreicher Zeit, ein bitteres Ende ihrer gemeinsamen Segelkarriere auf dem 470er. Das ist in höchstem Maße hart für unser Spitzenteam. Die Krönung ihrer Karriere blieb ihnen zwar versagt, was aber bleibt ist eine riesengroße Erfolgsgeschichte mit jahrelang großartigen Wettkampfergebnissen auf Regattabahnen rund um den Erdball. Sie haben in den eineinhalb Jahrzehnten die Flagge unseres Landes und unseres Clubs höchst erfolgreich vertreten. Bleiben werden ihre beeindruckenden Ergebnisse, diese sprechen für sich.

Teilnahme an 10 Welt- und 9 Europameisterschaften – darunter viermal in die Top-10 gesegelt. Mit der WM-Bronze 2017 haben sie Sportgeschichte geschrieben, es war überhaupt die erste WM-Medaille Österreichs in dieser Bootsklasse und rückblickend ihr größter Erfolg. Sie waren Vize-Weltmeister bei den Junioren 2010 in Doha, erzielten den zweiten Platz beim Weltcupfinale 2017 vor Santander sowie den zweiten Platz bei der Kieler Woche 2015. Beim Weltcup in Miami und im chinesischen Quingdao standen sie ebenfalls am Podest, gleiches gilt für Enoshima, hier erzielten sie der Olympic Week 2017 und 2018 jeweils den dritten Rang. 

Durch den Fokus auf die Olympiateilnahme hat man in der letzten Zeit diese vielen bedeutenden Erfolge fast ein wenig übersehen.

David und Lukas werden in unsere Clubanalen eingehen. Sie haben sich einen festen Platz in unserer „Hall of Fame“ gesichert. Auf ihre bisherige Seglerkarriere können David und Lukas mächtig stolz sein. Sie haben eine legendäre Erfolgsgeschichte für sich und unseren Verein geschrieben. Dafür sind wir ihnen in höchstem Maße dankbar! Wir hoffen, dass die beiden künftig weiter so engagiert für unseren Club tätig sein werden. Egal ob auf Regattabahnen, oder in Club- Funktionen. Große Gratulation und herzlichsten Dank!

Zum Abschluss noch ein persönliches Wort an die beiden: Lasst eure großartigen Erfolge in eurer Karriere von der Enttäuschung über dieses letzte Ereignis nicht überschatten. Ihr habt einzigartiges geleistet und nur darauf kommt es an.

Empfehlenswert zu lesen, Davids und Lukas’s Bericht in Facebook:

Das Ende der Reise 

Wenn man 15 Jahre gemeinsam einen Traum lebt, konsequent seinen Weg geht und dem Olympischen Gedanken alles unterordnet, ist ein Abgang wie dieser extrem enttäuschend und nur schwer in Worte zu packen. Es tut verdammt weh, wirft Fragen auf und lässt uns aktuell eher sprachlos in den Tunnel blicken. Nicht nur weil wir im Gerangel um das letzte Europa-Ticket für die Tokio Spiele klar den Kürzeren gezogen haben, sondern weil die Weltmeisterschaft in Vilamoura unser letzter gemeinsamer Regatta-Auftritt im 470er war. Das Ende unserer Reise hätten wir uns ganz anders vorgestellt.

Uns war bewusst, dass es aufgrund der Konkurrenz und Umstände eine Herausforderung wird. Schwierig, aber machbar – kein Grund für die dicke Lippe, aber auch keiner, um nicht davon überzeugt zu sein, es nach Tokio schaffen zu können. Aber nicht so. Schlechter als mit einem Frühstart in allerersten Race kann man eine Serie nicht beginnen. Dazu ein taktischer Fehler und eine weitere völlig verpatze Wettfahrt – in Wahrheit war es bereits nach dem ersten Tag vorbei. Wir mussten riskieren, haben zur Brechstange gegriffen. Der Schuss konnte nur nach hinten losgehen und so war es dann auch. Platz 21 – viel zu wenig für unsere Ansprüche, sehr weit weg von dem was wir leisten können. Tokio leider nein, der Traum ist geplatzt, aus und vorbei.

Wir haben lange und sehr hart dafür gekämpft, auch wenn es nicht für das ganz große Ganze gereicht hat, wäre es verkehrt, nur den negativen Abgang in Erinnerung zu behalten.

Immerhin haben wir Österreichs Farben bei 10 Welt- und 9 Europameisterschaften vertreten, sind dabei viermal in die Top-10 gesegelt und haben mit WM-Bronze 2017 Sport-Geschichte geschrieben. Es war die erste WM-Medaille Österreichs in dieser Bootsklasse und rückblickend unser größter Erfolg. Ebenso positiv in Erinnerung ist der Vize-Weltmeistertitel bei den Junioren, den wir 2010 in Doha eingesegelt haben, oder die zweiten Plätze beim Weltcupfinale 2017 vor Santander und bei der Kieler Woche 2015. Beim Weltcup in Miami und im chinesischen Quingdao sind wir ebenfalls am Podest gestanden, gleiches gilt für Enoshima, wo wir die Olympic Week 2017 und 2018 jeweils auf Rang 3 beenden konnten. 

Und jetzt?

Heim zur Familie, Abstand gewinnen, Wunden lecken, Mund abputzen, Sterne neu ordnen. Wie wir dem Spitzensport und der olympischen Bewegung die Treue halten, ist noch offen. Unsere Freundschaft hat hingegen kein Ablaufdatum, auch unsere Verbundenheit und Dankbarkeit unseren Partnern und Wegbegleitern gegenüber. Wir werden persönlich auf unsere wichtigsten Unterstützer zu kommen, sagen auf diesem Wege herzlichen Dank euch allen für euren Support und eure langjährige Treue.

Es war zumeist sehr schön und hat uns immer sehr gefreut!

David & Lukas