Bildstein/Hussl – Newsletter Dezember 2020

Aus Tokio 2020 wird 2021 | © photosyntessa

 

Wenn der Wind dreht, bleibt keine Zeit zu hadern, dann muss man reagieren.

Am vergangenen Wochenende sind wir wieder nach Österreich zurückgekehrt und werden die Weihnachtsfeiertage in der Heimat verbringen. Es werden – auch aufgrund der aktuellen Beschränkungen – ruhige Tage, die uns die Möglichkeit bieten, zurückzublicken auf ein interessantes Jahr. „2020” war seit den letzten olympischen Spielen in Rio 2016 stets in unserem Kopf und Teil zahlreicher Gespräche. Unsere Olympiakampagne war auf 2020 ausgerichtet, es sollte das Jahr unseres bisher größten Karrierehighlights werden. Doch dies ist aus den bekannten Gründen nicht passiert. Aus 2020 wurde 2021 – und dennoch waren die vergangenen Monate keine verlorene Zeit. Wir feierten sportliche Erfolge bei der Welt- und Europameisterschaft und hatten die Möglichkeit, unser Studium erfolgreich abzuschließen. Das wäre uns während eines Olympiajahres wohl kaum gelungen.

Blicken wir zunächst zwölf Monaten zurück. Die Euphorie war damals groß, Anfang Dezember 2019 gelang uns souverän die Olympiaqualifikation dank eines sechsten Platzes bei der WM in Neuseeland. Es war die Verwirklichung unseres Traumes, in den wir sehr viel Energie, Aufwand und Zeit gesteckt hatten. Bereits im Februar wartete mit der Weltmeisterschaft 2020 in Australien die nächste Herausforderung auf uns. Die Vorzeichen waren nun andere als zwei Monate zuvor. Vor der Qualifikation war der Druck extrem hoch, dieser hatte uns im Training dazu angetrieben, ständig auf höchstem Niveau zu arbeiten und uns stets zu verbessern. Gleichzeitig kostet unser hoher Anspruch viel Energie. In der Vorbereitung auf die WM spürten wir eine leichte Müdigkeit, unser Energielevel war nicht mehr ganz so hoch wie zuvor. Dennoch erreichten wir in Australien den starken vierten Rang, das Podest hatten wir um lediglich einen Punkt verpasst. Die Vorbereitungen für Tokio 2020 liefen damals exakt nach Plan, wir befanden uns auf einem sehr hohen seglerischen Niveau.

Doch dann kam Corona und innerhalb weniger Wochen wurde Olympia verschoben. Unsere akribische Planung war plötzlich wertlos. Als Segler sind wir es aber gewohnt, mit veränderten Bedingungen umzugehen. Wenn der Wind dreht, bleibt keine Zeit zu hadern, dann muss man reagieren. Nach einem ersten kurzen Schock haben wir die Olympia-Verschiebung als Chance verstanden. Wir haben die Zeit genutzt, um unser MBA-Studium an der FH Burgenland erfolgreich abzuschließen

Im Sommer haben wir schließlich viel Zeit in Österreich verbracht, häufig segelten wir am Bodensee mit dem Yachtclub Bregenz als unserer “Homebase”. Auch wenn das Club-Leben aufgrund der Vorgaben eingeschränkt war, bot sich die Möglichkeit zu zahlreichen Begegnungen mit Freunden und Segel-Kollegen auf und neben dem Wasser. Auch während der Staatsmeisterschaft am Wolfgangsee und der Heim-EM am Attersee standen wir im intensiven Kontakt und Austausch mit der österreichischen Segel-Community. Umso besser, dass es auch sportlich mit dem Meistertitel und der EM-Silbermedaille Grund zur Freude gab.

 

Seltene, aber unglaublich wertvolle Momente in einem turbulenten Jahr 2020 | © Alex Schwarz

Feier im kleinen Rahmen zur Sportmannschaft des Jahres | © Privat

Willkommensfeier nach der Weltmeisterschaft im Februar bei Pfanner  | © Gemeinde Wolfurt

 

Vielen Dank für Eure Unterstützung

Den Spätherbst, als die Bedingungen in Österreich kein hochwertiges Training mehr zuließen, nutzten wir zu zwei intensiven Trainingslagern in Portugal. Die Wellen an der Atlantikküste dienten uns zur perfekten Vorbereitung auf jene im japanischen Olympiarevier. Bevor wir aber im Jänner erneut an die Algarve reisen, um unsere Vorbereitung auf die Olympischen Spiele weiter voranzutreiben, möchten wir uns recht herzlich bei all unseren Partnern, Sponsoren und Unterstützern bedanken. Dass unsere Kampagne nun ein Jahr länger dauert als geplant, war für niemanden ein Problem. Alle blieben uns treu und haben uns dabei geholfen, aus dem Traum “Tokio 2020” den “Olympiatraum Tokio 2021” zu machen.

 

Wir wünschen Euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Eurer Liebsten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Es wird für uns alle ein besonderes Jahr.

Bis bald,
Benjamin und David