Fünf Jahre, immer wieder im Juli/August, immer wieder dieselbe Frage: Ist Kroatien im Hochsommer überhaupt noch entspannt zu segeln? Unsere Erfahrung sagt eindeutig: Ja.
Es gibt Fragen, die sich vor einem Segeltörn in Kroatien fast zwangsläufig stellen. Eine davon lautet: Warum tut ihr euch das im August an?
Denn Kroatien im Hochsommer bedeutet schließlich Hochsaison. Volle Marinas, belegte Bojen, überfüllte Buchten und entsprechend hohe Preise. Zumindest ist das das Bild, das man häufig vermittelt bekommt.
Auch wir waren anfangs skeptisch. Meine Frau und ich segeln seit fünf Jahren jeden Sommer in Kroatien. Meistens zwei Wochen, manchmal auch nur eine. Gestartet sind wir fast immer in der Region Split – entweder in Trogir, Kaštela oder direkt in Split. Von dort ging es auf die klassischen Inseln: Šolta, Vis, Hvar, Brač, Korčula und die kleineren Inseln dazwischen.
Und schon nach unserem ersten Törn im Hochsommer war klar: So schlimm ist es definitiv nicht!
Man muss nur anders segeln
Wir versuchen gar nicht erst, im August möglichst viele Marinas anzulaufen. Wir sind überzeugte Buchtensegler. Häfen kommen bei uns im Hochsommer nur dann auf die Liste, wenn Wasser gebunkert werden muss, größere Einkäufe anstehen oder wir Lust auf einen Abend in einem schönen Stadthafen haben – am liebsten dort, wo das nächste Lokal maximal zehn Meter vom Boot entfernt ist. Komiža auf Vis oder Jelsa auf Hvar sind dafür gute Beispiele – Häfen, in denen man ohnehin gerne einmal liegt.
Ansonsten suchen wir uns Buchten mit glasklarem, türkisfarbenem Wasser und wunderbarer Natur. Und davon gibt es in Kroatien bekanntlich mehr als genug.
Besonders praktisch sind für uns Buchten, in denen es Bojen, Muringleinen oder die Möglichkeit gibt, mit einer Boje und Landleine festzumachen. Viele dieser Plätze gehören zu einer Konoba und funktionieren nach einem Prinzip, das wir ausgesprochen sympathisch finden: Man liegt an der Boje oder am kleinen Steg und geht dafür am Abend im dazugehörigen Restaurant essen.
Für uns ist das ohnehin kein schwieriger Deal. Mittags kochen wir gerne selbst an Bord. Abends dagegen freuen wir uns auf ein gutes Essen, ein Glas Wein und ein paar Stunden Gesellschaft. Und gerade die kleinen Konobas in den Buchten haben uns dabei immer wieder positiv überrascht. In fünf Jahren haben wir nie schlecht gegessen – meistens sogar ausgesprochen gut. Die Grillkünste der Kroaten dürften bekannt sein.
Reservieren statt hoffen
Ein weiterer Punkt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Man muss nicht mehr unbedingt auf gut Glück irgendwo auftauchen.
Telefon und WhatsApp gehören inzwischen genauso zum Segelalltag wie Kartenplotter und Wetter-App. Bei vielen Buchten/Konobas kann man problemlos vorher anfragen und reservieren.
Das verändert die Planung erheblich. Wir müssen nicht mehr um 14 Uhr nervös überlegen, ob wir um 17 Uhr noch einen Platz bekommen. Stattdessen entscheiden wir uns relativ flexibel für eine Bucht und reservieren dort einen Platz.
Natürlich gilt auch hier: Im August sollte man nicht unbedingt bis zum späten Nachmittag mit reservieren warten, wenn man einen bestimmten Lieblingsplatz haben möchte. Aber genau das ist für uns kein Nachteil. Wir stehen ohnehin nicht unter dem Zwang, jeden Tag möglichst lange zu segeln.
Zwei bis vier Stunden segeln – und dann Badeurlaub
Das ist vielleicht der größte Vorteil Kroatiens. Gerade mit einer kleinen Crew sind die Entfernungen zwischen den Inseln und Buchten ideal. Man kann morgens gemütlich frühstücken, ein paar Stunden segeln und ist am frühen Nachmittag bereits am nächsten Ziel.
Zwei, drei oder vier Stunden auf dem Wasser – das reicht uns meistens völlig. Danach beginnt der eigentliche Sommerurlaub: Boot festmachen, schwimmen, schnorcheln, lesen, ein Mittagessen an Bord, vielleicht ein kleines Nickerchen und vielleicht auch noch ein Besuch in der Strandbar. Genau diese Kombination macht Kroatien für uns so attraktiv. Ich habe mittlerweile viele der bekannten Charterreviere im Mittelmeer kennengelernt und war auch außerhalb Kontinentaleuropas unterwegs – unter anderem auf den Kanaren und in der Karibik. Jedes Revier hat seinen eigenen Reiz. Aber gerade im Hochsommer finde ich Kroatien – Mitteldalmatien, um genau zu sein – für eine kleine Crew ausgesprochen schwer zu schlagen.
Voll ist nicht gleich voll
Natürlich ist Kroatien im August nicht leer.
Wer absolute Einsamkeit sucht, wird sie in den bekanntesten Buchten kaum finden. Und manche Plätze sind tagsüber durchaus lebhaft. Es gibt Buchten mit Beach Bars, Musik und entsprechend viel Betrieb. Wer Party sucht, findet sie.
Aber das ist eben nur die eine Seite. Es gibt genauso Buchten, in denen man selbst im August erstaunlich viel Ruhe findet. Nicht unbedingt völlig alleine – aber mit ausreichend Abstand zum nächsten Boot, um sich trotzdem privat zu fühlen.
Manchmal liegt das nächste Schiff vielleicht 100 Meter entfernt. Für uns ist das bereits völlig ausreichend. Und spätestens wenn gegen Abend die Tagesausflügler verschwunden sind, verändert sich die Atmosphäre ohnehin. Die Bucht wird ruhiger, die Boote liegen an ihren Leinen, und irgendwo an Land beginnt in der Konoba der Abend.
Dann sitzt man vielleicht noch lange draußen, hört das Wasser plätschern und denkt sich: Und irgendwann bleib I dann duart…
Und die Preise?
Ja – Kroatien ist teurer geworden. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Besonders im Vergleich zu früher sind die Preise in Restaurants und bei Liegeplätzen teilweise deutlich gestiegen. Auch der Euro hat sicherlich seinen Anteil daran, dass man heute schneller das Gefühl bekommt, dass ein Abend teuer geworden ist.
Aber auch hier lohnt sich der zweite Blick. Wenn der Liegeplatz in der Bucht mit dem Abendessen verbunden ist, sieht die Rechnung plötzlich anders aus. Vor allem aber stimmt die Qualität. Frischer Fisch, gegrilltes Fleisch, Gemüse, lokale Spezialitäten und dazu ein Glas kroatischer Wein – in vielen kleinen Konobas ist das nach wie vor ein Teil des Segelerlebnisses, auf den wir nicht verzichten möchten.
Aber auch abseits der klassischen Konobas gibt es kulinarisch einiges zu entdecken. In den erwähnten Städtchen, aber auch etwas ausserhalb der bekannten Orte, findet man Restaurants, die deutlich mehr bieten als die übliche mediterrane Küche. Mehrmals wurden wir dabei regelrecht überrascht – und kulinarisch so positiv verblüfft, dass manche dieser Abende zu den bleibenden Erinnerungen unserer Törns gehören.
Unser Kroatien im August
Vielleicht ist das letztlich auch die wichtigste Erkenntnis aus unseren fünf Jahren Kroatien:
Man muss Kroatien im August nicht so segeln, wie es im Charterkatalog steht. Man muss nicht jeden Tag einen neuen Hafen anlaufen. Man muss nicht möglichst viele Meilen machen. Und man muss schon gar nicht versuchen, vor allen anderen um 15 Uhr in der Marina zu sein.
Wer sich auf die Buchten einlässt, etwas flexibel bleibt und die vorhandenen Möglichkeiten zur Reservierung nutzt, kann auch in der Hochsaison ausgesprochen entspannt unterwegs sein.
Und genau deshalb kommen wir wieder.
Jeden Sommer.
Vielleicht ist Kroatien im August nicht mehr das Kroatien von vor 20 Jahren. Aber für uns ist es immer noch eines der schönsten Reviere für die perfekte Symbiose aus Segeltörn und Baderurlaub.
Ein paar Stunden segeln. Eine schöne Bucht. Ein Sprung ins Wasser. Ein gutes Abendessen. Und am nächsten Morgen beginnt alles wieder von vorne.
Für uns ist das ziemlich nah an der perfekten Definition von Sommersegeln.
Und vielleicht bringt es ein Satz aus dem Magazin der NZZ am Ende noch besser auf den Punkt:
„Kroatien ist für diese Art des Reisens ideal: kurze Distanzen zwischen den Inseln, sichere Häfen, eine Vielfalt an Buchten – von mondän bis menschenleer. Die Kombination aus kristallklarem Wasser, mediterraner Küche, geschichtsträchtigen Orten und der Freiheit, jeden Tag woanders aufzuwachen, ist schwer zu übertreffen.“



























