Vorwort: wie ihr vielleicht wisst, segle ich seit vielen Jahren mit GfS Schiffen als Skipper in interessanten Revieren. Diesmal war es mit der für mich neuen Dufour 530 die Inselwelt um Sizilien. Mit diesem Bericht lasse ich euch gerne an den schöne Erlebnissen teilhaben und möchte euch ermutigen, vielleicht künftig einmal mit zu segeln.
Törnbericht von Bertold Bischof: mit der Gemeinschaft für Seefahrt (GfS) von Catania nach Palermo im April 2026
Rauschefahrt auf dem Vulkan
oder: die neue BODAN zeigt sich von ihrer besten Seite!
Wir erreichen ein auf den ersten Blick etwas naturalistisch wirkendes Catania und treffen auf eine herzliche Vorcrew. Zur Begrüßung gibt es das zu erwartende freundlich aufgeregte Geschnatter, das sich aber im Lauf des Abends beruhigt. Der Vorskipper will mir in seiner Fürsorglichkeit alle seine Themen umgehend mitteilen, was mich mit leerem Magen aber vorerst noch nicht so rege interessiert. Lass uns doch zunächst den sizilianischen Flair inhalieren und dann erst die germanische Garnitur hinzufügen! „Tranquillo, tranquillo, con calma!“ (langsam, langsam, alles mit der Ruhe)!
Der Charme von Catania erschließt sich uns erst in den Nachtstunden, als die Beleuchtung die Gebäude dramatisch inszeniert und die Stadtjugend aufgeregt über die Piazza flaniert. Aber auch hier: Geschnatter überall. An die über den Gassen wehende Wäsche muss man sich erst gewöhnen, was es da so alles gibt, fragt man sich. Wir sind in großer Vorfreude auf die neue BODAN und sehen bei der Übergabe über die kleineren Blessuren großzügig hinweg. Wird schon werden, so denken wir uns, und richten uns schon mal wohnlich im großzügigen Raumangebot ein.
Das Wetter ist schlecht, der Wind bläst stark, die Wellen bauen sich dramatisch auf. So ist beim besten Willen an ein Auslaufen nicht zu denken. Selbst der Hafenmeister bremst uns ein und spricht von „mare molto agitato“. So nützen wir die Tage, um Taormina und Siracusa auf dem Landweg zu erkunden. Beide Ausflüge haben sich sehr gelohnt und geben uns sehr schöne und historisch interessante Einblicke in die Entwicklung von Sizilien. Die Geschichte ist voll mit heroischen Figuren aus der griechischen Sagenwelt, blumenreich umgarnt von phantastischen Ausschmückungen. Den Ätna können wir leider nicht besteigen, liegt doch noch zu viel Schnee.
Ein erster seglerischer Höhepunkt ist der „Ritt“ von Riposto nach Messina: halbraumer Wind mit 6 Bft und 2-3 mtr Welle. Die BODAN surft im 1. Reff und Fock mit jugendlicher Freude und einer max. Logge von 10,3 kn durch’s Meer. Es schallt ein begeistertes Jauchzen durchs Boot, ein wahrer Segelgenuss. Bitte, bitte: so soll es bleiben, auch wenn die Sonne nicht scheint
Durch die Straße von Messina bremst uns der Strom mit 4 kn deutlich ein, so haben wir mehr Zeit, den Flair dieser speziellen Passage zu genießen. Jetzt, da wir aus dem raueren ionischen Meer nun im lieblichen tyrrhenischen Meer angekommen sind, ändert sich unser Bordleben deutlich. Sommer, Sonne, Sonnenschein, Wind mit 4 Bft, keine Wellen. Hurra, der Urlaub ist da!
Stromboli hat schon etwas! Er wird auch als der älteste Leuchtturm der Welt angesehen, und ist laut griechischer Mythologie der Wohnort von Aiolos, dem Gott der Winde. Aiolos packte alle widrigen Winde in einen Ledersack, um Odysseus eine sichere Heimreise zu ermöglichen, doch dessen Gefährten öffneten ihn, was nicht so gut ausging. Doch nun genug der Geschichte. Zu unserer Begrüßung speit er schon mal eine rote Salve aus und schießt dann noch dazu sichtbar große Lavabrocken nach. Leider verdecken schon bald hohe Wolken das Spektakel, das wir gerne länger genießen würden. Weiter geht es zur nördlich gelegenen kleinen Insel Strombolicchio, auf der kaum der Leuchtturm Platz hat. Wir ankern ruhig vor San Vicenzo und locken mit dem abendlichen Grill hungrige Möwen an.
Nach einer ruhigen Nacht und dem freundlich wissbegierigen Besuch durch die Guardia di Finanza geht es bald unter Maschine zu der bizarren Inselgruppe von Isola Basiluzzo, Scoglio Spinazzola, Bottaro, Panarelli und Dattilo. Wir suchen vergeblich die besten Positionen mit guten Lichtverhältnissen für unsere Handys. Die schroffen Felsformationen entfalten dennoch ihre furchterregende Dimensionen.
So landen wir voller vulkanischer Eindrücke in Vulcano Porto und liegen in Vucanello an der Boje. Überall raucht es aus den unterirdischen Schloten und es stinkt fürchterlich nach Schwefel. Daran gewöhnen wir uns dann doch rascher als vermutet und genießen die Abendsonne beim wohlverdienten Sundowner. Die Besteigung des Gran Cratero erweist sich als weniger anstrengend als befürchtet, das olfaktorische Ungemach hingegen macht das Vorankommen dann doch unmöglich. Der Vulkan raucht und stinkt wie eine Bestie, allerdings hält er sich mit dem Feuerspeien „vornehm“ zurück.
Auf der Weiterreise nach Palermo dürfen wir noch ein paar magisch schöne Plätze erleben. So die sehr schöne Dünenlandschaft in der Baia di Olivieri, die auch nächtens einen magischen Charme hat.
Ich weiss nicht, hat ein Boot eine Seele? Falls ja, hat sich die BODAN sichtlich auf uns gefreut. Sie gibt sich von ihrer besten Seite und macht eine hervorragende Figur. Gut, vielleicht sitzt die Frisur nicht immer ganz perfekt, aber darüber kann man hinwegsehen. Wir erfreuen uns an den tollen Segeltagen (auch mit mehr Wind und mehr Welle), am großzügigen Interieur (auch bei Sonne und Regen), an der überkompletten Ausstattung (auch mit robustem Dinghi und Außenborder), am gelegentlichen Knurren und Ächzen (ja, auch die BODAN kann sprechen) und genießen die Zeit auf dem tollen Boot. Mit dem perfekten Backofen zaubert Rolf öfter einmal einen wunderbaren Striezel hervor, falls er neben der aufwändigen Fehlersuche in der Elektronikabteilung noch Zeit dazu findet. Aber Dank der tatkräftigen Unterstützung durch die zahlreichen Experten an Bord ist nun vieles gut. Noch gilt es, ein paar für uns ungewohnte Kleinigkeiten zu klären, doch das wird schon werden. Wie es vielleicht einmal bei einem wilden Ritt über die grobe See sein wird, können wir nicht sagen. Wir wünschen der BODAN für diesen Fall jedenfalls einen geduldigen und geübten Reiter.
Sizilien mit den Äolischen Inseln ist ein wunderbares Revier. Es gibt so viele interessante Orte und Geschichten und das Wichtigste: die Leute hier sind extrem nett und hilfsbereit. Man fühlt sich nicht als geduldeter Tourist, sondern als willkommener Gast, den man gerne zu sich nach Hause einlädt.
Vielen Dank an dieser Stelle auch an die wunderbare, harmonische, geistreiche und hilfsbereite Crew Gudrun, Iris, Rolf, Wolfgang, Yannick und Holger. Es war mir ein Vergnügen.
Arrivederci cari amici, alla prossima!















