Es ist wieder so weit, Mitte Mai trommelt Christoph Gautschi die Stammcrew der Raffale zusammen, um an einem auswärtigen See auf Langstrecken Regatta zu gehen. Der Aufruf diesmal: Wir segeln die 50 Meilen vom Lago Maggiore mit Start in Ascona am 30.05.2026!
Das 38 Fuß lange Schiff wird am Freitagvormittag den 29.05.2026 durch die Schweiz nach Ascona transportiert, eingewässert und der Mast gestellt. An diesem Tag trudelt nach und nach die Mannschaft von überallher ein. Angereist wird mit dem Auto direkt von unserem Yacht Club, von Graubünden oder mit dem Zug aus Basel. Die Crewmitglieder kommen am Freitag direkt in den Yachthafen, werden direkt während des Segeltrainings an der Hafenpromenade von Locarno aufgesammelt oder stoßen am Abend beim Restaurant zum Essen dazu.
Nach einem erfolgreichen Segel Tag, bei dem das Ziel überwiegend war, das Material zu testen gehen wir am Abend, mit etwas Verspätung an der schönen Promenade von Ascona auf die Steuermannsbesprechung. Dass wir die offizielle Ankündigung verpasst haben, ist nicht so tragisch, da wir mit Stefano Gautschi jemand an Bord haben, der den See und die Regatta gut kennt. Nach einem ausgiebigen Abendessen und regem Austausch geht es, für manche früher und andere später ins Bett.
Um 6:30 am Morgen findet sich die Crew an einem schönen warmen Samstag am Steg ein und das Schiff läuft aus. Mit ca. 55 anderen Booten streiten wir uns um einen guten Platz an der Startlinie bis um Punkt 8:00 der Startschuss fällt. Nach einem passablen Start bei leichtem Wind geht es Richtung Süden des Sees. Gleich zu Beginn können wir unseren großen Gennaker zum Einsatz bringen. Dennoch, mit einer konstant leicht höheren Geschwindigkeit setzt sich unser größter Gegner, eine Psaros 33 langsam aber kontinuierlich von uns ab. Eine Longtze premier ist gleich auf und wir bewegen uns mit 4 bis 6 Knoten Geschwindigkeit konstant nach vorne und wechseln laufend zwischen Platz 2 und 3. Vorbei geht es an der letzten Ortschaft im Tessin, der ersten Boje und um den ersten Knick des Sees. Nun sind wir zudem in Italien, und ein neuer Teil des Sees eröffnet sich. Konstant stellt sich die Frage auf welcher Seite des Sees wir segeln sollen, typisch Langstrecken Regatta. Der Ortsansässige Stefano weist bestimmt den weg.
Nach gut 15 gesegelten Meilen passieren wir die Burg „Castelli di Cannero“ die im See steht auf dem dritten Platz und umrunden erneut einen Knick des Sees. Die Burg auf Steuerbord ist ein schöner Anblick und den beiden Booten sind wir dicht auf den Fersen. Uns wird die östliche Seite des Sees empfohlen, so nehmen wir diese. Und es läuft. Der Wind nimmt leicht ab, trotzdem schiebt uns der Gennaker mit 3,5 bis 5 Knoten Geschwindigkeit weiter. In der Ferne sehen wir wie bei den Booten hinter uns, die inzwischen mehrere Meilen entfernt sind, der Wind langsam abstellt. Wir wissen, dass uns dieses Schicksal auch einholen wird, bis die Thermik dreht und wir mit einem anderen Wind weitersegeln können. Gut 2:45 Stunden nach dem Start stehen auch wir in der Flaute. Ganz am Ufer nutzen wir kleine lokale Thermiken, um trotzdem etwas weiterzukommen, die Logge zeigt oft eine Geschwindigkeit von 0,0 an. Wir üben uns in Geduld, denn wir stehen komplett. Unsere Verfolger aber auch. Immerhin ist kurz Zeit für eine Jause und wir kämpfen trotzdem um jeden Meter. Erst um 12:30, 4,5 Stunden nach dem Start bekommen wir wieder richtig Wind und das Schiff nimmt endlich wieder Fahrt auf. Irgendwie hat es eine große modifizierte Melges geschafft uns zu erreichen und so fahren nun 3 Boote (Plätze 2 bis 4) dicht nebeneinander zur südlichen Boje vor „La Sacca“ (leicht östlich von Stresa). Gut 3 Meilen vor der Tonne kommt uns das führende Schiff entgegen, mit offensichtlich großem Vorsprung.
Um 14:00 runden wir gemeinsam mit der Melges die Tonne. Nun geht es zurück. Direkt nach der Tonne setzen wir den Gennaker und sind mit 9 Knoten Geschwindigkeit unterwegs. Wir entscheiden uns für die Mitte des Sees, da die Thermik halten müsste und dies dann den kürzesten Weg bietet. Hier gelingt es uns das andere Schiff, die Longtze, abzuhängen. Um ca. 15:45 erreichen wir erneut die Burg „Castelli di Cannero“. Dort ist der Wind abrupt fertig, und wir stehen neben der Melges, aber auch neben der immer führenden Psaros auf einer Linie in der Flaute. Die letzten 18 Seemeilen (Luftlinie) sollen also nochmals richtig spannend werden! Plötzlich kommt Wind auf, der die anderen beiden Boote zuerst erreicht, und sie dadurch mehrere hundert Meter Vorsprung gewinnen, aber dann auch uns. Mit über 10 Knoten Geschwindigkeit rauschen wir um die Burg und dann um den letzten Knick des Sees. Hier schickt uns Stefano, dank seines Wissens, frühzeitig auf die Mitte des Sees, da direkt dahinter eine Landzunge ist, die den Wind bremst. Die anderen beiden Skipper wissen das scheinbar aber auch. Nun sehen wir Ascona bereits, jedoch müssen wir dies auf Backbord liegenlassen und bis nach Tenero. Erst dann geht es weiter nach Ascona. Wir segeln eng am flachen Maggiadelta vorbei zu der nördlichsten Tonne. Auf die Schiffe knapp vor uns haben wir zu Beginn des erneuten aufkommen des Windes etwas verloren doch wir holen etwas auf. Trotzdem beträgt der Abstand immer noch mehrere hundert Meter. Nach dem Runden der Tonne folgt der Zielsprint wieder nach Süden ins Ziel vor Ascona. Hier ist der Wind nicht auf unserer Seite und die anderen können den Vorsprung etwas ausbauen. Um 19:02 Uhr, 11 Stunden und 2 Minuten nach dem Start überqueren wir die Ziellinie als drittes Boot. 22 Minuten nach dem schnellsten und 10 Minuten nach dem zweitschnellsten. Nach berechneter Zeit erreichen wir ebenfalls den dritten Rang! Gratulation!
Es war eine Regatta, die großen Spaß gemacht hat. Das Wetter und der See waren ein Traum. Der Wind war eben typisch wie bei einer Langstreckenregatta. Mit dem Podiumsplatz sind wir hochzufrieden!
Ein Herzlichen Dank an Christoph Gautschi, den Skipper und Eigner der die Regatta ermöglicht hat, Senta Gautschi (YCB), Kurt Freuis (YCB), Robert Purin (YCB), Stefano Gautschi (YCA) und Markus Beeler (YCA) für die gute Zeit und den erfolgreichen Segel tag!
Ich freue mich auf weitere Regatten! Jonas Madlener
















